Die Traunauer Reisegruppe mit vielen Eindrücken zurück von ihrer Reise in die alte Heimat
Die alte Heimat mit allen Sinnen erlebt
Voller Neugierde, mit innerer Spannung und Herzklopfen, mit der einen oder anderen Erwartung, trat eine Gruppe von Traunauern und solche mit Traunauer Wurzeln, im Juni eine Reise in die alte Heimat an, die vom HOG- Vorsitzenden Eckhardt Petendra organisiert wurde.
Das Hauptziel der Reise war unser Heimatdorf Traunau und die Stadt Arad. Aber wir wollten auch Temeswar besichtigen und einen Blick nach Siebenbürgen, in das Land inmitten des Karpatenbogens werfen.
Ein betäubender, wohlriechender Duft umhüllte uns beim Aussteigen vor unserem Hotel im Zentrum von Arad. In der Mitte des schönen, breiten Boulevards dufteten die Blüten der Lindenbäume, die in einer Allee angelegt sind.
Ein Stadtrundgang mit einem örtlichen Reiseleiter war für alle interessant und aufschlussreich, obwohl die meisten von uns diese Stadt von früher recht gut kennen.
Von den restaurierten, imposanten Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert im Zentrum, waren wir beeindruckt. Bei Nachtspaziergängen, einer Nachtfahrt mit dem Bus und bei einem Blick von der Dachterrasse des Hotels, konnten wir die zurzeit schöne Beleuchtung dieser Gebäude und der gesamten Stadt bewundern. Spaziergänge am Maroschufer, Besuche am Strand und schwimmen im schön angelegten Freibad, ein Einkaufsbummel auf dem Markt, das Genießen von rumänischen Spezialitäten in den Restaurants... das alles gehörte auch dazu.
Der Höhepunkt der Reise war jedoch der offizielle Tag in unserem Heimatdorf, Traunau.
Wir wussten, dass sowohl die Gemeinde, als auch die orthodoxe und natürlich die katholische Kirchengemeinde sich vorbereiten, um uns zu empfangen.
Was aber dann auf uns zukam, übertraf all unsere Erwartungen und Vorstellungen. Als unser Bus langsam in das Dorf hineinrollte, läuteten alle Glocken unserer Heimatkirche. Beim Aussteigen empfingen uns der für Traunau zuständige katholische Pfarrer, Herr Attila Ando, der Bürgermeister der Gemeinde, Herr Reginald Andronic, die Vizebürgermeisterin, Frau Irina Iovan, die Gemeinderäte, Trachtenpaare in rumänischer, ja sogar welche in Banat schwäbischen Trachten und viele Dorfbewohner. Sie boten traditionell Brot und Salz an und hießen jeden einzelnen von uns mit einer Rose herzlich willkommen.
Es waren bewegende Momente, voller Emotionen und Tränen flossen bei dieser herzlichen Begrüßung.
Der orthodoxe Pfarrer, Herr Mandra, der mit seiner Kirchengemeinde gegenüber in der neuen orthodoxen Kirche soeben den sonntäglichen Gottesdienst beendet hatte, kam zusammen mit allen Gottesdienstbesuchern dazu. So füllte sich unsere Heimatkirche bis auf den letzten Platz. Seit der Einweihung der neu renovierten Kirche, im Mai 2006, gab es so etwas nicht mehr. Traunau zählt nur noch eine Hand voll Katholiken und eine Messe findet selten statt.
Feierlich eröffnete Pfarrer Attila Ando, von einer Schar Ministranten umgeben, die heilige Messe und begrüßte alle Mitfeiernden bei diesem besonderen Gottesdienst. Er brachte seine Freude zum Ausdruck, nach so langer Zeit, hier, in einer mit vielen Blumen geschmückten Kirche und mit so vielen Gläubigen zusammen, am Dreifaltigkeitssonntag, eine Messe feiern zu können.
Der Chor der Reisegruppe, an der Orgel Albert Schankula, gestaltete die Feier mit.
Am Ende des Gottesdienstes ergriff Eckhardt Petendra das Wort und sagte, dass es eine Freude sei hier in der Heimatkirche wie in längst vergangenen Zeiten die heilige Messe feiern zu können. In diesem Gotteshaus wurden viele der Angereisten getauft, haben das Fest ihrer Erstkommunion hier gefeiert, sich vor diesem Altar das Jawort gegeben, aber auch gebetet und Trost gefunden, wenn ein lieber Mensch gestorben ist. Es seien aber auch viele dabei, die das Gotteshaus und das Dorf, das sie bisher nur aus Erzählungen kannten, zum ersten Mal sehen. Alle zusammen sind glücklich das hier erleben zu dürfen.
Er bedankte sich bei Pfarrer Ando, der diese Feier ermöglicht hat. Worte des Dankes gingen auch an den Bürgermeister, an die orthodoxe Kirchengemeinde und die Dorfbewohner für den überwältigenden Empfang und an alle Mitfeiernden, auch aus den Nachbardörfern.
Albert Müller, stellvertretender Vorsitzender der HOG, trug sein Gedicht „Heimatglocken“ vor und der Chor sang als Schlusslied: „Glocken der Heimat“.
Im Anschluss an die Messe zog die Prozession hinaus zum Friedhof, um eine Totengedenkfeier zu halten.
Einige der Mitgereisten (Edi Binschedler, Erwin Didicher, Lotte und Eckhardt Petendra) hatten ihre Instrumente dabei, so dass die Prozession unter feierlichen Klängen in den Friedhof einzog und die Feier instrumental umrahmt wurde. Lotte Petendra begleitete die Lieder des Chors am Akkordeon, teils mit neuen Texten eigens für diesen Tag geschrieben. In einer Ansprache ließ sie längst vergangene Zeiten Revue passieren, wies auch auf die aktuelle Situation hin und auf die Schwierigkeiten bei den jährlichen Instandhaltungsarbeiten. Sie verwies auf das neue Friedhofsbuch, ein Wegweiser durch den Traunauer Friedhof, welches die Heimatortsgemeinschaft zurzeit erstellt.
Bei der Kranzniederlegung, die von Johann Didicher und Albert Müller vorgenommen wurde, intonierte die Kapelle das Lied: „Ich hat‘ einen Kameraden“.
Dass der Friedhofszaun zurückgeschnitten und das Gras zum Zeitpunkt unseres Besuchs in Traunau gemäht war, freute uns. So konnten Besuche an den Gräbern der lieben Verstorbenen beziehungsweise das Suchen nach Ruhestätten von Groß- und Urgroßeltern in diesen Tagen problemlos vorgenommen werden.
Der Besuch an diesem Tag in Traunau wurde fortgesetzt mit einem Festessen im Kulturheim, zu welchem der Bürgermeister eingeladen hatte. Die orthodoxe Kirchengemeinde und viele Bewohner hatten zum Gelingen dieses Festessens beigetragen. Die rumänische Kulturgruppe des Ortes bot ein Programm dar, das viel Beifall erntete. Es wurden Willkommensreden von Seiten des Bürgermeisters und eines Lehrers gehalten. Der Bürgermeister betonte, dass die gesamte Dorfgemeinschaft sich auf diesen Tag gefreut habe, dass alle mitgeholfen haben das Dorf herauszuputzen und dieses Festessen zu organisieren. Der HOG- Vorsitzende bedankte sich im Namen der Gruppe und erinnerte an viele schöne Stunden in diesem Saal.
Auch neben dem offiziellen Programm duften wir einiges in diesen Tagen in Traunau erleben. Es wurden Besuche im Elternhaus gemacht, Gespräche mit ehemaligen Nachbarn und Bekannten geführt, Erinnerungen ausgetauscht…. Einige suchten anhand des Dorfplans das Haus ihrer Eltern beziehungsweise Großeltern, welches sie nur aus Erzählungen und von alten Fotos, die sie dabei hatten, kennen. Die einen fanden ein ganz anderes, ein neues Gebäude vor, andere fanden eine Lücke zwischen Nachbarhäusern, so manche aber auch ein Haus, welches total vernachlässigt, verfallen aussieht….
Eine Wallfahrt nach Maria Radna, dem alljährlichen Pilgerziel früher in Traunau, durfte auf unserem Reiseplan nicht fehlen. Die Baustelle rings um die Basilika konnte uns von unserem Vorhaben nicht abhalten oder entmutigen. Mit einem gemeinsamen, auf dem Akkordeon begleiteten Marienlied, starteten wir an der Maria- Lourdes- Kapelle. Einen besonderen Gottesdienst durften wir mitfeiern, den Wallfahrtsgottesdienst der Ministranten der Diözese. Bischof Martin Roos, der an diesem Tag anwesend war und Pfarrer Reinholz begrüßten die Reisegruppe aus Traunau. Mit einem Marienlied im Altarraum der Kirche verabschiedeten wir uns.
Nächste Station auf unserer Reise war die Stadt Temeswar, die wir mit einem örtlichen Reiseleiter durchstreiften und so näher kennenlernten.
Ziel unserer Reise war aber nicht nur das Banat. Wir wollten auch über den Tellerrand hinausschauen und einen Blick nach Siebenbürgen werfen. Acht Mädchen aus Traunau haben in Herrmannstadt das pädagogische Gymnasium besucht. Eine ehemalige Lehrerin dieser Schule empfing uns dort, erzählte über die Geschichte der Siebenbürger Sachsen, und zeigte uns diese wunderschöne Stadt. Wir fuhren auch durch viele ehemalige sächsische Dörfer und lernten so die spezifische Bauweise der Häuser der Siebenbürger Sachsen kennen.
Die berühmte Kirchenburg von Birthälm, die unter UNESCO Kulturerbe steht, war unser nächstes Reiseziel. Ein junger evangelischer Pfarrer empfing uns und führte durch die Burganlage und die Kirche. Das Essen, von der evangelischen Kirchengemeinde im Burghof serviert, mit dem typisch siebenbürgisch-sächsischen „Hancklich“ (Kuchen) zum Abschluss, schmeckte vortrefflich.
Mit vielen Eindrücken von all dem was wir in diesen Tagen erlebt, gesehen und gehört hatten, überwältigt von der Gastfreundschaft in unserem Heimatdorf, von dem guten Essen überall und
betäubt von dem Duft der Lindenbäume in Arad, nahmen wir Abschied und traten unsere Heimreise an. Wir haben dieses Land, unsere ehemalige Heimat, wirklich mit allen Sinnen erlebt.

